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Ruhr Wort· Bistum Essen · 41. Jahrgang · Nr. 22 · 5. Juni 1999

Pflegealltag d

Caritas Duisburg produzierte Informations-Film zur
Pflegeversicherung

Für den Fall der Fälle

„Der Pflegefall war da, und wir hatten keine Ahnung, was wir tun sollen. Wir sind viele falsche und zeitraubende Wege gegangen, bis wir endlich die Unterstützung bekamen, die wir brauchten”, erinnert sich die Mülheimerin Bettina Arnold. Ihre Großmutter Franziska Essing wurde im hohen Alter pflegebedürftig. Fast zehn Jahre lang betreuten ihre Kinder und Enkelkinder sie. Ein ambulanter Pflegedienst sollte beauftragt werden. „Wir mussten unglaublich viele Formulare ausfüllen und Gutachten erstellen lassen”, beschreibt Arnold ihre Hilflosigkeit.

Ein Dschungel aus Formularen und Anträgen

Bettina Arnold, von Beruf Filmemacherin, wollte diese Strapazen anderen Betroffenen ersparen. Eineinhalb Jahre lang recherchierte sie daher mit Hilfe der Caritas Duisburg, wie man den richtigen Weg durch den Dschungel der Pflegeversicherung findet. Resultat ihrer Nachforschungen: ein gut einstündiger Videofilm, den sich Betroffene kostenlos bei Apotheken und Wohlfahrtsverbänden ausleihen können. „Kranken- und Altenpflege: Pflegefall - Wer hilft?” ist Titel und Programm des Streifens.

Es ist ein Irrglaube, nur alte Menschen seien pflegebedürftig. Beispielsweise werden jeden Tag im Schnitt 20 Kinder durch Verkehrsunfälle zum Pflegefall. Insgesamt sind heute in Deutschland 1,7 Millionen Menschen auf Betreuung angewiesen. Um diese sicherzustellen, wurde am 1. April 1995 die Pflegeversicherung eingeführt.

Ob plötzlich durch einen Unfall oder allmählich durch Altersschwäche - für die Angehörigen stellt sich immer die Frage: Pflege ich selbst, nehme ich einen Dienst in Anspruch, kombiniere ich beides? In Deutschland werden Dreiviertel der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt - von Angehörigen, Nachbarn, Freunden und hauptberuflichen Pflegekräften. Im Film erzählen Betroffene von ihren Erfahrungen.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt, ein Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung bei zuständigen Pflegekassen ist in jedem Fall nötig. Einen solchen Musterantrag enthält das Heft zum Video.

Grundsätzlich gilt: Der Hilfsbedarf muss mindestens für sechs Monate bestehen und die Bereiche Körperpflege, Ernährung, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung abdecken. Um sich darüber im klaren zu sein, wieviel Zeit dafür im allgemeinen aufgebracht wird, empfehlen Filmemacherin und Caritas, einige Tage lang ein „Pflegetagebuch” zu führen. Auch hierzu liefert das Begleitheft Informationen und Vordrucke.

Ist der Antrag einmal gestellt, fertigt der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) ein Gutachten über die Pflegebedürftigkeit an. Auch zur Vorbereitung des Gesprächs mit dem Gutachter liefert das Filmheft etliche Tips. Sie sind insofern wichtig, als die Bewertung über die Pflegestufe und damit über die Höhe der Leistungen entscheidet. Im Film kommen Experten zu Wort, die die Pflegestufen erläutern, Ansprüche auf Dienste und Preisbeispiele geben.

Ausführlich wird auf die Unterschiede zwischen Geld- und Sachleistungen eingegangen. Wer Pflegegeld beantragt, muss selbst dafür sorgen, dass Angehörige oder Nachbarn angemessen pflegen. Sachleistungen können nur professionelle Dienste erbringen, die diese auch direkt mit der Kasse abrechnen. Häufig ist eine Kombination beider Leistungen sinnvoll, zum Beispiel wenn Angehörige nur einen Teil der nötigen Hilfe übernehmen können. Modellabrechnungen zeigen, wie man hier am besten vorgeht.

Der Videofilm klärt zudem, woran man einen guten Pflegedienst erkennt: Wechseln die Mitarbeiter häufig? Ist der Dienst rund um die Uhr telefonisch erreichbar?

Auf jeden Fall empfiehlt es sich immer, einen Kostenvoranschlag einzuholen. Das im Begleitheft abgedruckte Vergütungssystem für die ambulante Pflege ermöglicht den Preisvergleich.

Das Video ist bundesweit kostenlos erhältlich

Zusätzlich beinhaltet das Video auch Beiträge, die über ortsansässige Selbsthilfegruppen, Pflegedienste, Sanitätshäuser und Logopäden informieren. Im Februar ist die Ausgabe für Mülheim erschienen, im Juni folgt Oberhausen, im September Duisburg und im November dann Essen. Interessierte könnten den Videofilm bundesweit kostenlos bei Apotheken, Sanitätshäusern und Wohlfahrtsverbänden entleihen. Nähere Informationen gibt es telefonisch unter
Tel.: 0208 / 408515

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